Rohrleitungen

Bei der Installation von Rohrleitungssystemen verwendet man die Begriffe Nennweite (DN) und Nenndruck (PN) einer Rohrleitung als kennzeichnende Merkmale, um zueinander passende Teile wie z. B. Flanschverbindungen zu definieren. Nennweite und Nenndruck sind jeweils nach dem geometrischen Stufensprung genormt.

Die Dimensionierung von Rohrleitungen, also die Festlegung der Nennweite und des Nenndrucks für Rohrleitungen und Armaturen, ist dabei immer ein Abwägen zwischen den technisch notwendigen Anforderungen, wie z. B. den Druckverlust oder den Wärmeverlust möglichst gering zu halten, und den hierfür notwendigen Investitions- und Betriebskosten. Dabei ergibt sich für jede Rohrleitung und jede Anlage ein unterschiedliches Gesamtkostenoptimum zwischen Investitions- und Betriebskosten. Durch den meist flachen Kurvenverlauf im Bereich des Minimums der Gesamtkosten liegen oft zwei Nennweiten im optimalen Bereich.

Beispielhafter, schematischer Kostenverlauf bei der Rohrleitungsdimensionierung

Beispielhafter, schematischer Kostenverlauf bei der Rohrleitungsdimensionierung

Gesamt­kosten

Betriebs­kosten

Investitions­kosten

Für die Auslegung von Rohrleitungen sind folgende Schritte zu beachten:

  • Nennweite festlegen
  • Nenndruck festlegen
  • Werkstoff auswählen
  • Stützweiten festlegen
  • Wärmeausdehnung beachten
  • Besonderheiten des Mediums bei der Montage beachten
  • Isolierung festlegen

Da für eine detaillierte Betrachtung jedoch viele anlagenspezifische, technische und kaufmännische Einzelparameter betrachtet werden müssen, werden Rohrleitungen meist nach wirtschaftlich sinnvollen und technisch notwendigen Erfahrungswerten als Richtwerte für die Strömungsgeschwindigkeit ausgelegt. Abhängig vom Medium und dem Einsatz haben sich die Richtwerte in vielen Anlagen als praxiskonform bewährt. Die folgende Tabelle kann für die Dimensionierung im Kesselhaus verwendet werden.


Medium Anwendungsbereich Richtgeschwindigkeit
Wasser Vor- und Rücklaufleitungen im Kesselhaus 2 (1,5 – 3) m/s
Rauchgas 16,5 m/s
Öl Leichtöl Saugseite
Leichtöl Druckseite
Schweröl Saugseite
Schweröl Druckseite
0,5 m/s
1 m/s
0,3 m/s
0,5 m/s
Erdgas Keine Vorgaben (Auslegung über Druckverlust)

Übliche Auslegungsgeschwindigkeiten (Richtgeschwindigkeiten) zur Rohrleitungsdimensionierung

Information

Vor- und Rücklaufleitungen im Kesselhaus: 2 (1,5 – 3) m/s

Vor- und Rücklaufleitungen im Nah- und Fernwärmenetz werden normalerweise nicht nach Richtgeschwindigkeit, sondern nach Richtwerten für den Druckverlust pro 100 m dimensioniert. Übliche Druckverlustwerte liegen zwischen 100 und 300 Pa/100 m.

Festlegung der Nennweite DN

Die Nennweiten in der nachfolgenden Tabelle haben keine Einheit. Sie entsprechen nur annähernd dem Innendurchmesser der Rohrleitung in mm. Dies ist fertigungsbedingt, da die Werkzeuge für die Fertigung von Rohren über den Außendurchmesser festgelegt sind und daher der lichte Durchmesser je nach Wandstärke schwankt. Für die grobe Dimensionierung ist es meist ausreichend, den Nenndurchmesser als Berechnungsgröße für den Innendurchmesser heranzuziehen.


Nennweite
DN

Außendurchmesser d1
[mm]

 

Nennweite
DN

Außendurchmesser d1
[mm]

 

Nennweite
DN

Außendurchmesser d1
[mm]

6

10,2

 

80

88,9

 

500

508,0

8

13,5

 

100

114,3

 

600

610,0

10

17,2

 

125

139,7

 

700

711,0

15

21,3

 

150

168,3

 

800

813,0

20

26,9

 

200

219,1

 

900

914,0

25

33,7

 

250

273,0

 

1 000

1 016,0

32

42,4

 

300

323,9

 

1 200

1 219,0

40

48,3

 

350

355,6

 

1 400

1 422,0

50

60,3

 

400

406,4

 

1 600

1 626,0

65

76,1

 

450

457,0

     

Rohrdurchmesser (EN 10255:2004+A1:2007, EN 1092-1:2013-04, Tabelle A.1)

Die erforderliche Nennweite kann dann wie folgt berechnet werden:

 
Berechnung

Gleichung zur Berechnung der erforderlichen Nennweite

Beispielrechnung zur Ermittlung der erforderlichen Nennweite

kgh 3.600sh ⋅ 4 π ⋅ kg m s
⋅ 1.000 mm m = 47,77 mm ≤ DN 50
 

DN

Rohrnennweite [mm]

Volumenstrom [m³/s]

Massenstrom [kg/h]

ρ

Dichte [kg/m³]

u

Richt­geschwindigkeit nach Tabelle [m/s]

Zur Optimierung der nach einer zulässigen Richtgeschwindigkeit ausgelegten Nennweite kann es in Einzelfällen, z. B. bei besonders langen Rohrleitungen, sinnvoll sein, mit Hilfe von speziellen Auslegungsprogrammen, eine Nachberechnung und Optimierung der Leitungsnennweite durchzuführen.

Festlegung des Nenndrucks PN

Der Nenndruck ist eine genormte Druckstufe für Rohrleitungen und Armaturen. Er stellt eine Kenngröße für die mechanischen und maßlichen Eigenschaften eines Bauteils dar. Bauteile gleicher Nennweite und mit gleichem Nenndruck passen zueinander. Der Nenndruck entspricht dem maximal zulässigen Überdruck [bar] bei einer Bezugs­temperatur von 20 °C.

Der maximal zulässige Überdruck eines Bauteils hängt jedoch neben dem Werkstoff vor allem auch von der Temperatur ab. Bei höheren Temperaturen sinkt der maximal zulässige Betriebsüberdruck unter den Nenndruck ab. Rohrleitungen oder Armaturen dürfen dann nicht bei Nenndruck betrieben werden.

Die Druck-Temperatur-Zuordnung von Flanschen erfolgt nach den Werkstoffgruppen. Im Dampfkesselbereich sind folgende Werkstoffe und Gruppen üblich:

Werkstoff­gruppe

Werkstoffart

Werkstoff­nummer

Werkstoff

3E0

Unlegierte Stähle mit garantierten Festigkeits­eigenschaften bei erhöhten Temperaturen

1.0352

P245GH

3E1

Unlegierte Stähle mit festgelegten Eigenschaften ≤ 400 °C, obere Streckgrenze > 265 N/mm²

1.0460

P250GH

4E0

Niedriglegierte Stähle mit 0,3 % Molybdän

1.0426

P280GH

12E0

Standard-Kohlenstoffgehalt, stabilisiert mit Ti bzw. Nb

1.4541
1.4550
1.4941

X6CrNiTi18-10
X6CrNiNb18-10
X6CrNiTiB18-10

15E0

Standard-Kohlenstoffgehalt, legiert mit Molybdän, stabilisiert mit Ti bzw. Nb

1.4571
1.4580

X6CrNiMoTi17-12-2
X6CrNiMoNb17-12-2

Werkstoffgruppen nach EN 1092-1:2013-04 Tabelle 9, G.2.2, G.3.2, Tabelle D.1

Das nachfolgende Diagramm gibt die Druck-Temperaturverläufe für unterschiedliche Nenn­druckstufen an. Bitte beachten Sie hierzu die Hinweise im Kapitel Tools – Druck-Temperatur-Zuordnung, in welchem sich die Tabellen zum Diagramm befinden.

Druck-Temperatur-Zuordnung für Flansche nach EN 1092-1

Druck-Temperatur-Zuordnung für Flansche nach EN 1092-1

3E0

3E1

4E0

12E0

15E0

Festlegung des Werkstoffs

Die folgende Tabelle gibt nur die Mindest­anforderung an die Werkstoff­auswahl wieder. Bei besonderen Aufstellungs­bedingungen, Kunden­anforderungen oder nationalen oder lokalen Vorschriften können auch abweichende Werkstoffe zum Einsatz kommen.

Information

Bei allen zu- und abführenden Rohrleitungen zum Dampfkessel, im Kondensat- und Zusatzwasser­bereich sind kupferhaltige Rohrleitungs­werkstoffe zu vermeiden.

Einsatz­bereich

Rohr­leitungs­werkstoff

Vor- und Rücklauf­leitungen

Stahl mit Abnahme­prüfzeugnis

Sicherheits­ventilausblase­leitungen

Stahl

Entlüftungs- und Entwässerungs­leitungen

Stahl

Sitzent­wässerung (Sicherheits­ventile)

Kupfer oder Edelstahl

Enthärtetes Wasser

Kunststoff (kalt) oder Edelstahl (nach Erwärmung)

Mindestanforderung an die Werkstoffauswahl

Festlegung der Stützweiten

Durch eine ausreichende Anzahl und die korrekte Ausführung von Halterungen muss sichergestellt werden, dass sich Rohrleitungen durch die Gewichtskräfte (Eigengewicht, Inhalt, Armaturen und Isolierung) und andere Krafteinwirkungen (z. B. an Umlenkungen) nicht unzulässig verformen.

Anforderungen an Rohrhalterungen werden in der EN 13480-3 erläutert.

Rohrleitungen und Flansche für Wasser und Dampf



DN


ØA

PN 40
S

Max. Stützweite
L11)

10

17,2

2,0

15

21,3

2,0

20

26,9

2,3

25

33,7

2,6

2,9

32

42,4

2,6

3,2

40

48,3

2,6

3,5

50

60,3

2,9

3,9

65

76,1

2,9

4,7

80

88,9

3,2

5,4

100

114,3

3,6

6,2

125

139,7

4,0

6,9

150

168,3

4,5

7,5

200

219,1

6,3

8,6

250

273

7,1

9,7

300

323,9

8,0

10,6

350

355,6

8,8

11,1

400

406,4

11,0

11,8

500

508

14,2

12,5

600

610

16,0

13,2

Stützweiten von Rohrleitungen (Abstand von Halterung zu Halterung)

1) Anforderungen an die Stützweite L1:
  • Nach EN 13480-3:2014 – mit Wasser gefüllt, Dicke der Dämmung 80 mm
  • Mit Ergänzungen durch Interpolation
  • L1 Begrenzung der Durchbiegung, bis DN 50 = 3 mm Durchbiegung, ab DN 65 = 5 mm Durchbiegung
  • Details siehe EN 13480-3

Wärmedehnung

Beim Erwärmen von Feststoffen dehnen sich diese aus und ziehen sich beim Abkühlen wieder zusammen.

Dieser Effekt muss an vielen Stellen einer Dampfkesselanlage berücksichtigt werden, insbesondere an Orten, an welchen hohe Temperaturen im Betrieb auftreten können.

Beispielhaft sind hier für die Planung und Installation folgende Punkte zu nennen:

  • Planung und Montage geeigneter Rohrbefestigungen (Halter, Gleitpunkte, Festpunkte bzw. Fixpunkte) an den richtigen Stellen
  • Kompensation der Ausdehnung in Rohrleitungen durch:
    • Dehnschenkel (L- oder Z-Schenkel)
    • U-Rohrbogen
    • Lyrabogen (Omega-Bogen)
    • Axial- oder Lateralkompensatoren
  • Kompensation der Ausdehnung an Kesseln und Behältern durch
    • Gleitlager an Füßen und Grundrahmen

Kompensatoren und Dehnschenkel an zu- und abführenden Rohrleitungen Zur Berechnung der linearen Wärmedehnung kann folgende Gleichung verwendet werden:

 
Berechnung

Gleichung zur Berechnung der linearen Wärmedehnung

 

Δl

Lineare Wärmedehnung [mm]

l

Länge [mm]

α

Ausdehnungs­koeffizient [mm/m]

ΔT

Temperaturdifferenz [K]

Information

Ausdehnungs­koeffizienten verschiedener Stähle

Niedrig legierter Stahl (ferritisch):
α ≈ 1 - 1,3 [mm/m ∙ 100K] = 10 - 13 ∙ 10-6 [1/K]

Edelstähle (austenitisch):
α ≈ 1 bis 1,8 [mm/m ∙ 100K] = 10 bis 18 ∙ 10-6 [1/K]

Die erforderlichen Dehnschenkellängen zur Aufnahme von Wärmedehnung müssen nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik ermittelt werden. Zur Berechnung der erforderlichen Dehnschenkellängen kann das AD 2000-Merkblatt HP 100 R herangezogen werden.

Mindestabstand zum Bauwerk und benachbarten Rohrleitungen

Zur Montage der Rohrleitungen und Dämmung sowie zu Instandhaltungszwecken sollte ein Zwischenraum von mindestens 50 - 100 mm eingehalten werden. Die häufig verwendete technische Norm für Isolierarbeiten, die DIN 4140, empfiehlt einen Mindestabstand von 100 m.

Zur Minimierung der Abstände sollten Flanschverbindungen auf Rohrbrücken versetzt angeordnet werden.

Funktionale Abstände von Rohrleitungen auf Rohrbrücken und versetzte Anordnung von Flanschverbindungen Funktionale Abstände von Rohrleitungen auf Rohrbrücken und versetzte Anordnung von Flanschverbindungen

Vor- und Rücklaufleitungen (Hauptleitungen)

Für Vor- und Rücklaufleitungen sind neben der Wärmeausdehnung häufig keine Besonderheiten zu beachten. Mitunter kann für kurze Leitungen auch eine Strömungsgeschwindigkeit ≤ 2,3 m/s akzeptiert werden.

Ausblaseleitung im Flüssigkeitsbereich

Bei der Verlegung der Sicherheitsventil-Ausblaseleitung für Flüssigkeiten müssen folgende Kriterien beachtet werden:

  • Die Ausblaseleitung eines Sicherheitsventils, das an einen Wasserraum angeschlossen ist, muss mit einem Entspannungs- und Wasserabscheidetopf versehen sein.
  • Das System der Ausblaseseite des Sicherheitsventils muss so bemessen sein, dass beim Ausblasen ein Eigengegendruck von 10 % des Ansprechdrucks nicht überschritten wird.
  • Das Rohrstück zwischen Sicherheitsventilaustritt und Entspannungs- und Wasserabscheidetopf muss mit Gefälle (≥ 0,5 %) verlegt werden.
  • Bei vorhandener Entwässerungsbohrung am Sitz des Sicherheitsventils sollte eine zusätzliche Entwässerung vorgenommen werden.
  • Dabei ist die Entwässerungsleitung ohne Einschnürung mit Gefälle zu verlegen.
  • Ein Verstopfen der Entwässerung durch Schmutz oder Fremdkörper muss vermieden werden.
  • Das anfallende Kondensat im Entspannungs- und Wasserabscheidetopf muss gefahrlos abgeführt und abgekühlt werden.
  • Das Rohrstück zwischen Sicherheitsventilaustritt und Entspannungs- und Wasserabscheidetopf muss so verlegt und befestigt sein, dass Schub-, Biege- und Torsionskräfte vom Sicherheitsventil ferngehalten werden (z. B. durch Abstützungen, Federhänger). Die Reaktionskräfte beim Ausblasen sind zu berücksichtigen.
  • Beim Ausblasen treten hohe Temperaturen, Strömungsgeschwindigkeiten und Strömungsgeräusche auf. Die Ausblaseleitung am Entspannungs- und Wasserabscheidetopf muss daher so ins Freie ausmünden, dass dadurch keine Gefahren entstehen können.
  • Die Ausblaseleitung am Entspannungs- und Wasserabscheidetopf muss von anderen Leitungen (z. B. Entlüftungs-, Entspannungs- und Sicherheitsventil-Ausblaseleitungen) getrennt und gegen Einfrieren gesichert sein.
Sicherheitsventil mit Entspannungs- und Wasserabscheidetopf

Sicherheitsventil mit Entspannungs- und Wasserabscheidetopf

Ausblaseleitung gefahrlos über Dach

Entwässerungsleitung gefahrlos abführen und abkühlen

Abgasanlage

Die Abgasanlage beginnt am Kesselende und hat die Aufgabe, die bei der Verbrennung entstehenden Abgase sicher an die Umgebung abzuleiten. Hierzu zählen die Abgasleitungen innerhalb und außerhalb des Kesselraumes, der Schornstein und vorhandene zusätzliche Einbauten wie Kompensatoren, Schalldämpfer oder Abgasklappen.

Alle Komponenten einer Feuerungsanlage, beginnend beim Brenner mit dem zugehörigen Gebläse über den Kessel, den Economiser, die Abgasleitungen und Schalldämpfer bis hin zum Schornstein, müssen sorgfältig aufeinander abgestimmt sein. Nur dann ist in allen Betriebszuständen und auf Dauer ein einwandfreier Betrieb gewährleistet. Fehlende Abstimmung oder falsche Ausführung einzelner Komponenten führen im Gesamtsystem zu Vibrationen, Geräuschen, erhöhten Emissionen oder einer instabilen Verbrennung.

Abgasanlagen müssen entsprechend den nationalen und lokalen Vorschriften sowie einschlägigen Normen ausgelegt werden.

Information

Allgemeine Anforderungen an Abgasanlagen in und an Gebäuden sind in der DIN EN 1443 festgelegt. Die Ausführung der Abgasanlagen muss dem lokal geltenden Baurecht sowie der DIN V 18160 entsprechen.

Für freistehende Schornsteine gelten neben dem Baurecht die DIN 1056, die DIN 4133 und die DIN EN 13084-1.

Festlegungen zur strömungstechnischen Bemessung sind den Normen DIN EN 13384 für Abgasanlagen in und an Gebäuden bzw. DIN EN 13084-1 für freistehende Schornsteine zu entnehmen.

Abgaskanäle müssen aus nicht brennbaren Baustoffen bestehen und widerstandsfähig gegen Abgas- und Wärmeeinwirkung sein. Das Material der kompletten Abgasanlage für Dampfkessel muss für Temperaturen bis 350 °C geeignet sein. Ist der Kessel mit einem vierten Zug ausgestattet bzw. bei einem Abhitzekessel zur Abwärmenutzung von Abgasen aus einem BHKW bzw. einer Gasturbine, muss die Abgasanlage für die jeweils höchste Temperatur geeignet sein.

An die Auslegung des Abgassystems und die Höhe des Schornsteins werden oft zusätzliche länderspezifische Anforderungen gestellt. Daher werden hier nur die wichtigsten funktionalen Planungsgrundsätze beschrieben.


Abgasleitung

Die Abgasleitung stellt die Verbindung zwischen dem Kesselende und dem Eintritt in den Kamin dar. Sie sollte möglichst direkt, strömungsgünstig und mit wenigen Bögen verlegt werden, um den Druck- und Wärmeverlust klein zu halten. Reduzierungen oder auch Erweiterungen sollen nicht sprungartig, sondern immer mit einem Übergangswinkel von maximal 30° erfolgen. Die Anbindung der Abgasleitung an den Schornstein sollte außerdem mit einem Anstich im Winkel von 30 - 45° geschehen.


Anforderung

Ausführung

Konstante Feuerraumbedingungen

Auslegung auf +0/-1 mbar am Kesselende
Ein Schornsteinzug je Kessel empfohlen

Geringer Druckverlust

Kurz, wenig Bögen und strömungsgünstig

Geringer Wärmeverlust

Isolierung vorsehen

Kondensat ableiten

Kondensatentwässerungsstutzen und Neutralisation

Freien Durchgang gewährleisten

Besichtigungs- und Reinigungsöffnungen vorsehen

Emissionsmessung

Emissionsmessstutzen vorsehen

Reinigung und Besichtigung

Reinigungs- und Besichtigungsöffnungen an allen Umlenkungen vorsehen

Wärmedehnung ausgleichen

Kompensatoren vorsehen

Beständigkeit

Temperatur- (bis 350 °C), Kondensat-, Korrosionsbeständigkeit

Druckfestigkeit

Über- und Unterdruck

Gasdichte

Gasdichtheit nach EN 1856

Gefährdung durch Luftmangel

Abgas- und Zuluftklappen mit sicherheitsgerichtetem Endlagenschalter einbinden

Allgemeine Anforderungen an die Abgasleitungen



Dimensionierung

Die Abgasleitung mit allen Komponenten wie Abgasklappen, Kompensatoren und Schalldämpfern kann meistens in der gleichen Nennweite des Abgasanschlussstutzens am Kessel bis zum Kamin fortgeführt werden.

Bei der Auslegung sollte dabei eine Richtgeschwindigkeit von 16,5 m/s bezogen auf die Kesselaustrittstemperatur nicht überschritten werden. Da sich die Richtgeschwindigkeit auf den Betriebsvolumenstrom bezieht, muss der meistens angegebene Abgasmassenstrom noch auf den Betriebsvolumenstrom umgerechnet werden.

Für die Umrechnung kann das ideale Gasgesetz verwendet werden.

 
Berechnung

Umgestellte ideale Gasgleichung zur Berechnung der Betriebsdichte von Gasen

ρb

Betriebsdichte

ρn

Normdichte

Tb

Betriebs­temperatur [K]

Tn

Temperatur Normbedingung (273,15 K)

pb

Betriebsüberdruck [bar]

pn

Druck Normbedingung (1,01325 bar)

Formel: Normzustand und Standardzustand


Beispiel Erdgas H:

λ = 1,15 Luftüberschuss

AG = 10 000 Abgasmassenstrom [kg/h]

pn,AG = 1,244 Normdichte Abgas [kg/m³n]

Tb = 250 / 523,15 Abgas­temperatur [°C]/[K], nach Kessel und vor Economiser

pb= pn = 1,01325 Umgebungsdruck [bar] (Abweichung von der Normbedingung wird vernachlässigt)


 
Berechnung

Beispielrechnung zur Ermittlung der Betriebsdichte des Abgases

ρb = kg mn³ 273,15 K K ⋅ 1 = 0,649 kg

Formel zur Berechnung der erforderlichen Nennweite der Abgasleitung

DN

Rohrnennweite

Volumenstrom [kg/h]

Massenstrom [kg/s]

ρ

Dichte [kg/m³]

u

Richt­geschwindigkeit nach Tabelle [m/s]

Beispielrechnung zur Ermittlung der erforderlichen Nennweite der Abgasleitung

DN ≥
4 ⋅
(Volumenstrom [kg/h])
kgh
π ⋅
ρ (Dichte [kg/m³])
kgu (Richt­geschwindigkeit nach Tabelle [m/s])
ms
1 h 3.600 s ⋅ ( 1.000 mm 1 m
= 574 mm

→ Mindestnennweite DN 630

Vor allem bei geringen Kaminhöhen und langen Abgasleitungen kann die Zugberechnung des Kamin­herstellers auch eine größere Nennweite erfordern.

Abgasschalldämpfer

Abgasschalldämpfer haben die Aufgabe, die Emission der Verbrennungsgeräusche zu reduzieren. Um die Wirksamkeit zu gewährleisten, muss der Schalldämpfer auf die vom Brenner abgegebenen Frequenzen, die Kesselleistung und die vorgegebenen, zulässigen Geräuschemissionen ausgelegt werden.

A-bewertete Frequenzanalyse und entsprechender Summenschalldruckpegel in Abhängigkeit von der Kesselwärmeleistung

A-bewertete Frequenzanalyse und entsprechender Summenschall­druckpegel in Abhängigkeit von der Kesselwärmeleistung

Kessel­wärmeleistung

[kW]

≤ 600

≤ 1 350

≤ 2 500

≤ 5 000

≤ 10 000

≤ 15 000

> 15 000

Erwartungswert für den Summen­schalldruckpegel

[dB(A)]

75

81

85

87

94

100

107

Information

Die in der Abbildung oben (A-bewertete Frequenzanalyse und entsprechender Summenschall­druckpegel in Abhängigkeit von der Kesselwärmeleistung) dargestellten Werte sind nur Anhaltswerte, die sich auf einen einzelnen Kessel ohne Abgasschalldämpfer beziehen. Gemessen wurde an der Schornsteinmündung in 1 m Abstand unter einem Winkel von 45°.

Die bei der Verbrennung entstehende Schallentwicklung wird als Luftschall über die Oberfläche des Abgassystems abgestrahlt und tritt am Schornsteinkopf aus. Die Geräusche einer Kesselanlage enthalten überwiegend tieffrequente Geräuschanteile.

Diese Schallemission kann wirkungsvoll durch Abgasschalldämpfer vermindert werden. Um die vorge­schrie­benen Schallemissionswerte einzuhalten, muss zur Auslegung eines Abgasschalldämpfers das Frequenz­spektrum der Abgasgeräusche an der Schornsteinmündung der Kesselanlage berücksichtigt werden.

Das dargestellte Diagramm in der Abbildung (A-bewertete Frequenzanalyse und entsprechender Summenschall­druckpegel in Abhängigkeit von der Kesselwärmeleistung) stellt den durchschnittlichen Schall­druckpegel eines Kessels, gemessen an der Kaminmündung ohne Abgasschalldämpfer im Abgassystem, dar. Da das Verbrennungs­system (z. B. durch die Brennerkonstruktion oder durch das sich einstellende Strömungsprofil im Brenn­raum) und das Abgassystems (z. B. durch Anzahl der Bögen, Länge und Durchmesser der Abgasleitung) einen erheblichen Einfluss auf die sich einstellenden Werte haben, können hier nur Anhaltswerte für den Schall­druckpegel angegeben werden. Im Falle einer Mehrkessel­anlage müssen die Schallwerte aller Kessel addiert werden.

Bei der Planung der Abgasleitung muss beachtet werden, dass für die Reduzierung der Geräusch­emissionen je nach Anforderung eine erhebliche Schalldämpferlänge notwendig ist, die im oder außerhalb des Aufstellraums vor Eintritt in den Schornstein untergebracht werden muss.

Bei hohen Anforderungen an die Schallemission, z. B. im Krankenhausbereich, ist es aufgrund der Komplexität der Thematik zu empfehlen, zur konkreten Auslegung eines Abgasschalldämpfers einen Schallgutachter heranzuziehen.